Wie wir mit KI-generierten Inhalten umgehen
In den vergangenen Monaten ist generative KI zu einem Werkzeug geworden, das Bücher in Stunden statt in Monaten produzieren kann. Für viele Autorinnen und Autoren ist das eine Erleichterung – KI hilft beim Lektorat, beim Strukturieren, beim Formulieren einzelner Passagen. Wir sehen das als legitimen Einsatz und unterstützen ihn ausdrücklich.
Gleichzeitig hat die Entwicklung eine Schattenseite, die wir nicht ignorieren können: Es gibt Akteure, die KI nutzen, um Bücher zu erzeugen, deren Inhalte ohne menschliche geistige Schöpfung entstanden sind – inklusive erfundener Fakten, vermischter Biografien, frei erdachter Quellenangaben. Solche Bücher schaden Leserinnen und Lesern, sie schaden Bibliotheken und Buchhandel, und sie schaden den vielen ernsthaften Autorinnen und Autoren, deren Werke seit Jahren über tredition erscheinen.
Wir haben in den vergangenen Monaten gelernt, dass unsere bisherigen Prüfmechanismen nicht in jedem Fall ausgereicht haben, um solche Inhalte vor der Veröffentlichung zu erkennen. Das nehmen wir ernst, und wir haben unsere Prozesse entsprechend angepasst. Diesen Beitrag schreibe ich, um euch transparent zu informieren, woran wir gerade arbeiten und was sich konkret ändert.
Unsere Linie
Unsere Haltung ist klar: KI als Werkzeug zur Überarbeitung deiner eigenen Texte – ja. KI als alleinige Quelle der inhaltlichen Schöpfung – nein. Die geistige Substanz eines Buches muss von dir kommen.
Was bedeutet das konkret? Wenn du KI nutzt, um Rechtschreibung zu prüfen, sprachlich zu glätten, Übergänge zu formulieren, einzelne Passagen auszuarbeiten oder bei der Recherche zu unterstützen, ist das in Ordnung. Wenn aber Argumente, Fakten, ganze Kapitel oder die Struktur deines Buches im Wesentlichen von einer KI stammen, ist das ein Buch, das wir nicht über tredition vertreiben. Diese Linie haben wir jetzt auch ausdrücklich in unsere AGB aufgenommen.
Was wir konkret geändert haben
Wir haben mehrere Maßnahmen umgesetzt, die ineinandergreifen:
Geschärfte KI-Selbstauskunft in der Publishing-App. Wenn du beim Anlegen eines Projekts angibst, dass du KI eingesetzt hast, fragen wir jetzt konkreter nach: Wofür hast du sie genutzt? Welche Teile deines Buches sind dadurch entstanden? Diese Selbstauskunft ist Pflichtfeld. Bei Falschangaben behalten wir uns vor, das Projekt zu löschen und das Benutzerkonto zu sperren.
Eigens entwickeltes Buchprüfungs-Tool. Unsere Entwickler haben in den vergangenen Wochen ein Tool aufgebaut, das unser Team bei der Erkennung überwiegend KI-generierter Inhalte unterstützt. Es analysiert Manuskripte auf typische Muster automatisiert erzeugter Texte, inkonsistente Quellenangaben und sprachstatistische Auffälligkeiten. Soweit uns bekannt, ist tredition damit der erste Self-Publishing-Anbieter im deutschsprachigen Raum, der eine solche systematische Prüfung etabliert.
Rückwirkende Bestandsprüfung. Wir prüfen aktuell alle Veröffentlichungen der vergangenen zwei Jahre. Bücher, die sich als überwiegend KI-generiert erweisen, nehmen wir aus dem Vertrieb und kündigen die zugehörigen Verträge.
AGB-Ergänzung. Unsere AGB enthalten ab sofort eine ausdrückliche Verpflichtung der Autorinnen und Autoren, ausschließlich Werke einzureichen, die ihre persönliche geistige Schöpfung sind. Bei Verstoß behalten wir uns nicht nur die Kündigung vor, sondern auch Schadensersatzansprüche.
Neues Meldeformular. Wenn ihr – als Leserinnen, Buchhändlerinnen, Bibliothekarinnen oder Autoren – auf Bücher aus unserem Hause stoßt, bei denen ihr einen Verdacht auf KI-Generierung, falsche Inhalte oder Rechtsverletzungen habt, könnt ihr diese ab jetzt direkt über ein Formular auf unserer Website melden. Wir prüfen jeden Hinweis und ergreifen, wenn er sich bestätigt, die entsprechenden Konsequenzen.
Rechtsverletzung melden =>
Was sich für ehrliche Autorinnen und Autoren ändert
Für die allermeisten von euch ändert sich praktisch nichts. Wer ein Buch selbst geschrieben hat – ob mit oder ohne KI als Werkzeug zur Überarbeitung –, kann es weiterhin wie gewohnt über tredition veröffentlichen. Die Selbstauskunft beim Anlegen ist ein zusätzlicher Schritt, kein Hindernis: Sie hilft uns, transparent mit dem Thema umzugehen, und schützt unser gemeinsames Programm vor Vermischung mit problematischen Inhalten.
Wir wissen, dass es Autorinnen und Autoren gibt, die durch die öffentliche Diskussion verunsichert sind. Euch möchten wir ausdrücklich sagen: Eure Arbeit ist der Grund, warum tredition existiert. Wir setzen uns dafür ein, dass das Programm, in dem eure Bücher erscheinen, glaubwürdig bleibt – das ist auch ein Schutz eurer Werke.
Was als Nächstes kommt
Wir betrachten die jetzt umgesetzten Schritte nicht als Endpunkt. Generative KI entwickelt sich schneller, als jede einzelne Maßnahme es kann, und wir werden unsere Prozesse weiter anpassen müssen. Was wir versprechen können: Wir bleiben offen, transparent und gesprächsbereit. Wer Fragen, Hinweise oder Vorschläge hat, kann sich jederzeit an uns wenden.
Sandra
(Sandra Latußeck Geschäftsführerin von tredition)


